TIM BECKER

UNIVERSUM
UNIVERSALIS
Tim Becker, Universum Universalis
Tim Becker, Universum Universalis
Tim Becker floating horse
Tim Becker, Universum Universalis
Tim Becker, Universum Universalis

Zur Kunst von Tim Becker

Die Arbeiten: Zeichnungen, Bilder, Bildobjekte, Photos, Filme und Skulpturen entstammen dem reichhaltigen Fundus eines visuellen Laboratoriums. Tim Becker erkundet intuitiv, experimentiert, kombiniert, manipuliert, gestaltet und verändert mit unterschiedlichen Materialien und Medien die Wahrnehmung der Sinne. Der Künstler führt Regie über den Zufall, den er zulässt oder verwirft, er sammelt Eindrücke, bewahrt Fundstücke, ordnet Ideen und entwickelt ein eigenes Sensorium.

Der Schaffensprozess bleibt in den unterschiedlichen Bildschichtungen sichtbar und wird zum Resonanzraum, in dem sich heterogene Bildelemente zu einer Fülle von Assoziationen verdichten und zu einem Erinnerungsfeld fügen. Das Klischee einer schönen Natur wird in Frage gestellt, die Illusion wird gestört, Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen werden unterlaufen.

Die einzelnen Arbeiten gehören Werkgruppen an, die fortgesetzt und weiter entwickelt werden. Sie vereinen sich zu einem offenen Bezugssystem, in dem Benennungen weder einschränken noch eine einzig gültige Anleitung geben.

Es entstehen Bild-Erfindungen, die Empfindungen auslösen und den Betrachter zu ungestellten Fragen führen, auf die es keine verbindlichen Antworten gibt. Exemplarisch hierfür ist das Photo der liegenden Pflanze (amIreal; Ohne Titel). Ihre Blüten lassen an die Schönheit und ihre Vergänglichkeit denken. Themen wie Entwurzelung oder Gefährdung der Natur klingen an, aber auch das Potential ihrer Regeneration. Die vermeintlich realen Wurzeln sind von Künstlerhand generiert. Ein minimaler Eingriff in die Bildwirklichkeit narrt das Auge und spielt mit dem Trompe-l’œil-Effekt. Was ist authentisch, was ist real, was ist Fiktion?

Das Sehen, mit Gefühl und Verstand, führt zu neuen Erkenntnissen und zu einer existentiellen Selbstbefragung. Die feinen Linien, die in vielen Kunstwerken auftauchen, werden zu subtilen Lebens-Linien, die in einigen Arbeiten zu Drähten mutieren und den Bildträger in den Raum erweitern. Sie stellen neue Realitäten her und eine Sogwirkung, der man sich als Betrachter nicht entziehen kann. Das Wissen der Welt erfordert Wachsamkeit. Der Blick forscht neugierig und wandert, in die Ferne und zurück.
(Dr. Susanne Liehr, Kunsthistorikerin)