Universum Universalis

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Hintergrund (Text)

Das Universum
als Spiegel

Mit UNIVERSUM UNIVERSALIS nutzt Tim Becker thematisch die großen Konstellationen und Systeme des Kosmischen. Er spielt mit der Visualisierung von sichtbaren und unsichtbaren Wirkprinzipien und Zusammenhängen. Becker betreibt eine Innenschau des Einzelnen und der Welt, ein Bewegen zwischen Mikro- und Makrokosmos und überträgt diese Sichtweise auf unterschiedliche Fragen.
Die vorausgegangenen Themen können aus heutiger Sicht bereits als Teilkosmen des UNIVERSUM UNIVERSALIS verstanden werden. Auch sie untersuchen konkrete Prinzipien, wie z. B. die Prinzipien der Gewalt und heutiger Kriegsführung (Prinzipien des Beugens), die expansiven Prinzipien des biologischen Lebens (amIreal) oder Hinterfragungen des Gewissens (Hüterinnen).
In UNIVERSUM UNIVERSALIS vergrößert Becker symbolisch seinen Betrachtungsabstand zur Welt. Von diesem kosmischen Standpunkt fokussiert er auf die Grundprinzipien von Anziehung und Abstoßung, Gravitation und vernetzter Zusammenhänge.

Die größtenteils landschaftlich lesbaren Werke bilden die Bühne für weitere Ebenen. Becker lässt meist eine Horizontlinie sichtbar oder erahnbar. Der Horizont kann zum Sinnbild eines Ergeignishorizonts werden, also zu einer dimensionalen Grenze. In einigen Werken befindet sich der Betrachter auch mitten im Raum, umgrenzt vom Wald, vom Meer oder frei schwebend im Amorphen.
Einige der Umsetzungen enthalten realistische, teilweise figürliche Darstellungen oder Notate mit Symbolcharakter, wie z. B. das Reh, das Pferd oder verortbare Landschaften. Die Werke zeigen häufig unterschiedliche Ebenen innerhalb der Motive, aber auch innerhalb ihrer Materialität.

Spuren der Entstehung, Entwicklung, Skizzierung und Destruktion und Teile des Schaffensprozess bleiben sichtbar. Neben Acrylfarben auf unterschiedlichen Bildträgern, wie Holz, Leinwand, Forex, Acrylglas etc., finden auch Blattgold und -silber, Blei, Asche, Glas und Bienenwachs Verwendung. Einige der genutzten Materialien können eine symbolische Bedeutung haben, wenngleich jene Anspielungen für den Rezipienten nicht bindend sind. Becker produziert zudem Videos zu einigen Themen.

Die persönliche Interpretation oder Assoziation des Rezipienten ist Becker wichtiger, als eine allein gültige oder komplette Erklärung oder Dechiffrierung.

Am Rande der Gewissheit

UNIVERSUM UNIVERSALIS findet seinen Ausgangspunkt teilweise in Betrachtungen von Wirkprinzipien naturwissenschaftlicher Beobachtungen. Ihr Prinzip kann in seiner Auslegung auch stellvertretend für psychologische oder soziologische Zusammenhänge stehen.

Das scheinbar Mystische in den Werken verweist auf reale Dimensionen, in denen unsere physikalischen Gesetzmäßigkeiten aufgehoben sein können (wie in der Elementarteilchenphysik) oder wir auf Grund von Unergründlichkeit abergläubische oder spirituelle Erklärungen suchen. Becker wagt teilweise den imaginären, künstlerischen Blick über den Rand der Dimensionen hinaus und verweist auf unsere große Sehnsucht nach Gewissheit.

Ebenso empfindet Becker die Wahrnehmung der Welt: viele Dinge oder Begebenheiten lassen sich erklären und in Formeln oder Strukturen ausdrücken. Diese stärken aber gleichsam die Tatsache, dass hinter der Impirie und wissenschaftlichen Behauptung viele neue, ungeklärte Fragen liegen. Auch interessiert Becker, warum wir trotz besserem Wissens so häufig gegen dieses agieren.
Sichtbar werden geahnte, symbolische und insbesondere die scheinbar unsichtbaren Wechselwirkungen des Lebens. Was treibt uns, was bewegt uns, was hält uns im Gleichgewicht? Gibt es das Große, das Ganze oder eine immanente Gesetzmäßigkeit? Was sind die Kräfte, die wirken oder welche Kräfte und damit auch Wahrheiten werden unhinterfragt geglaubt, konsumiert, gelebt? Was wäre, wenn sich als Axinome angenommene Werte auflösten bzw. veränderten?

Werke und Annäherungen

Tim Becker
Tim Becker